Transgender

Bildquelle

Die Debatte um Transpersonen ist schon lange der Aufhänger dafür dass sich die diversen Strömungen innerhalb des Feminismus blutig zerfleischen, während sich das Patriarchat ins Fäustchen lacht. Deshalb wollte ich mich eigentlich aus der Transgender-Diskussion heraushalten. Inzwischen habe ich aber doch auf http://diestoerenfriedas.de am Disput teilgenommen und mich entschieden, mich hier zu positionieren.

Zunächst einmal möchte ich sagen dass ich mich zwar als Radikalfeministin verstehe, aber auch viele Positionen der diversen feministischen Strömungen – Queerfeminismus, Anarchafeminismus, Tierrechts/Ökofeminismus, spiritueller Feminismus, Matriarchatsfeminismus, antikapitalistischer Feminismus, Differenzfeminismus, auf juristische Gleichheit konzentrierter Feminismus – teile. Ausserdem finde ich es wichtig dass alle Feministinnen einander mit Respekt und Solidarität begegnen, auch wenn sie zu vielen Themen nicht 100%ig einer Meinung sind.

Zum Thema Geschlecht ist es meine Überzeugung, dass es biologisch determinierte typisch männliche und typisch weibliche Gefühle, Fähigkeiten und Vorlieben nicht gibt. Typisch männliche und weibliche Eigenschaften abseits des rein biologischen Unterschiedes werden durch die patriarchale Sozialisation erzeugt. Das Gender eines Menschen ist deshalb letztendlich ein soziales Konstrukt.

Wobei sich ja auch viele Menschen, etwa 1,7%, nicht eindeutig einem biologischen Geschlecht zuordnen lassen, weil die chomosomalen, hormonellen und anatomischen Grenzen fliessend sind. Das wirft die Frage auf inwieweit sich die üblichen binären Geschlechtsidentitäten überhaupt biologisch begründen lassen.

Nun gibt es Menschen, die das Gefühl haben, dass ihre Geschlechtsidentität konträr zu ihrem biologischen Geschlecht ist. Das ist meiner Meinung nach eine Folge dessen dass in unserer patriarchalen Gesellschaft bestimmte Verhaltensweisen streng mit einem biologischen Geschlecht verknüpft werden. Beispielsweise wird das Tragen von bunten Kleidern, Make-Up und Stöckelschuhen als weiblich und unmännlich angesehen. Von Frauen wird dieses Verhalten erwartet, bei Männern hingegen streng sanktioniert – bis hin zum Mord. Wären bestimmte Verhaltensweisen bei allen Menschen unabhängig vom Geschlecht akzeptiert hätte niemensch mehr das Gefühl im falschen Körper zu stecken.

Ich spreche das Gefühl, im falschen Körper zu sein, niemenschen ab. Ich kenne dieses qualvolle Gefühl seit meiner Kindheit selbst zur Genüge. Nicht bezogen auf das Geschlecht, sondern auf die Körperform. Ich bin dick, und es gibt Tage, wo ich es kaum ertrage, in einem dicken Körper zu leben. Für mich ist es aber keine Lösung meinen Körper an den gesellschaftlichen Zwang anzupassen, sondern die gesellschaftlichen Normen zu dekonstruieren und sie aus meinem Gefühl rauszukriegen. Wobei ich volles Verständnis für alle habe die ihren Körper anpassen um dem sozialen Druck zu entgehen. Ich weiss ja selber wie es ist wie der letzte Dreck behandelt zu werden wenn mensch nicht der Norm entspricht.

Zum Thema Transfrauen / Cis-Frauen: Ich finde es legitim, geschützte feministische Frauenräume für Transfrauen eben nicht zu öffnen. Das hat meiner Meinung nach nichts mit Entsolidarisierung zu tun, sondern lediglich mit dem Bedürfnis, zumindestens zeitweise nur das eigene Ding durchzuziehen. Wobei es Männern nicht nur nicht vorgeworfen wird wenn sie ihr eigenes Ding machen und sich nach aussen hin abgrenzen, es wird sogar von ihnen erwartet. Frauen hingegen ist Abgrenzung nicht gestattet.

Geschützte Frauenräume haben den Sinn, dass patriarchal auf Unterwerfung sozialisierte Frauen lernen, diese Sozialisierung abzulegen. Wenn sie in den Schutzräumen nun mit Personen konfrontiert werden, die patriarchal auf Herrschaft über Frauen sozialisiert sind, was auf alle als Männer geborene zutrifft, dann ist das im Hinblick auf den Zweck des Schautzraumes kontraproduktiv. Natürlich gibt es auch Transfrauen, denen ihre männliche Sozialisation bewusst ist und die sich bemühen diese loszuwerden. Aber das trifft meiner Erfahrung nach auf viele Transfrauen nicht zu, und man kann einer Transfrau halt nicht ansehen ob sie sich frauenfeindlich verhalten wird oder nicht.

Ich finde es auch verständlich und berechtigt wenn lesbische Frauen keinen Sex mit einer Transfrau wollen, die männliche Geschlechtsorgane hat oder einfach körperlich männlich wirkt. Menschen werden von anderen Menschen nun einmal nicht als das wahrgenommen, als was sie sich fühlen, sondern so wie sie nach aussen hin wirken. Damit muss jeder Mensch leben, nicht nur Transfrauen.

Jetzt werden viele sagen ich bin eine TERF (= Trans Excluding Radical Feminist). Tja. Wir Frauen werden in der patriarchalen Gesellschaft ständig von Männern ausgeschlossen, deshalb haben wir uns geschützte Frauenräume erkämpft und tun es immer weiter. (Bikini Kill – White Boy: „I’m so sorry if I’m alienating some of you. Your whole fucking culture alienates me.“) Transfrauen sollten dies ebenfalls tun, genauso wie alle anderen diskriminierten Gruppen. Warum unbedingt auf die Räume von Cis-Frauen bestanden wird kapier ich nicht.

Das heisst jetzt nicht dass ich Transfrauen nicht respektiere oder nichts mit ihnen zu tun haben will. Es heisst lediglich dass ich sie nicht so wahrnehme wie sie sich selber wahrnehmen. Ist das schon transfeindlich? Nein.

Weitere Ausführungen dazu spare ich mir, weil Schokomuffin und Beayonce von http://sugarbox.at bereits zwei tolle Artikel zum Thema geschrieben haben die meinen Standpunkt sehr gut ausdrücken, auch wenn ich eine Hetera bin. Siehe Frau ohne Gender – bin ich wirklich “cis”? und Jenseits von „Gut“ und „Böse“ – ein Kommentar zur (fehlenden) queerfeministischen Debattenkultur.

Übrigens: Es darf hier diskutiert werden, solange die Diskussion respektvoll und fair bleibt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.