Planetengrippe

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In den letzten 100 Jahren hat ein Zuwachs der Weltbevölkerung von 1,5 auf 7,5 Milliarden stattgefunden. Geschätzte 9,6 Milliarden Menschen werden im Jahr 2050 auf unserem Globus leben, im Jahr 2100 sollen es 11,2 Milliarden sein. Derzeit wächst die Erdbevölkerung um 90 Millionen Menschen im Jahr an.

Die Ablehnung dieser globalen Bevölkerungsexplosion gilt in linken Kreisen als rechtslastig. Ich frage mich warum. Gerade die reaktionäre organisierte Religion redet doch der hemmungslosen Vermehrung das Wort und verdammt Geburtenkontrolle. Was auch kein Wunder ist. Die Religionen sind gegen ein gutes Leben für alle, da das Erdendasein ja mit Leiden und Dulden verbracht werden soll. Glücklichsein ist den körperlosen Seelen für die Zeit nach dem Tod vorbehalten. Andererseits ist das Leben laut den Religionen in jedem Fall eine Gnade, für die man Gott gefälligst dankbar zu sein hat, auch wenn dieses Leben absolut beschissen ist. Ich finde dass man eher für das menschliche Privileg dankbar sein sollte, Sexualität und Fortpflanzung trennen zu können.

Die Religionen wettern nicht nur gegen Geburtenkontrolle, sondern bekämpfen sie auch aktiv. Zwei Beispiele: Bei der UN-Nachhaltigkeitskonferenz Rio+20 wurde der Punkt der reproduktiven und sexuellen Rechte aus dem Abschlussdokument gestrichen, weil der Vatikan und muslimische Organisationen massiven Druck dahingehend ausgeübt hatten. Im Dezember 2016 wurde der auf Lebenszeit gewählte Führer des Malteserordens Matthew Festing vom Papst entlassen, weil auf seine Anweisung hin in Myanmar Kondome verteilt worden waren.

Die Linke fordert im Gegensatz zur organisierten Religion ein gutes Leben für alle ein, und zwar bereits vor dem Tod. Diese Forderung verträgt sich nicht damit, dass zu viele Menschen die Ressourcen für ein gutes Leben aufbrauchen. Sicher kann man noch einige Milliarden draufquetschen, aber wie schaut dann die Lebensqualität der Menschen und der anderen Spezies aus?

Der Ruf nach Geburtenkontrolle kommt auch von der Rechten. Allerdings nicht weil sie die globale ökologische Situation verbessern und allen Menschen gleiche Chancen geben will. Der Vermehrungsstop soll selbstverständlich nur nicht-weisse Menschen betreffen, während sich die Weissen wie die Fliegen vermehren und den ganzen Erdball überschwemmen sollen. Den Bevölkerungszuwachs bei nicht-weissen Menschen lehnt man ab, aber selber hat man mehr als 2 Kinder. Hat da etwa jemand Sehnsucht nach den goldenen Zeiten des Mutterkreuzes? Sowas ist absolut ekelhaft. Die Forderung nach einer Gesundschrumpfung der Menschheit muss selbstverständlich für Weisse und Reiche genauso gelten, gerade im vollgestopften Europa, wo es kaum mehr unberührte Natur gibt.

Auch die asozialen Kapitalisten, deren Konzerne eine der Hauptursachen für die Umweltzerstörung, den Klimawandel und die Verelendung der von ihnen ausgebeuteten Länder sind, wollen eine massive Bevölkerungsreduktion. Aber nur im globalen Süden. Weil die dortigen Bewohner meistens dabei nerven wenn man sich ihr Land unter den Nagel reissen will. Arme sind für den Kapitalismus sowieso unnötig, da sie sich den von der Industrie erzeugten Krempel nicht leisten können und nichts zu den Profiten der Konzerne beitragen. Als Arbeitssklav/inn/en vielleicht, aber da braucht man ja nicht so viele wie da sind.

Wenn die Linke die Geburtenkontrolle aus rassistischen bzw. kapitalistischen Gründen mit der aus dem Streben nach Weltverbesserung gleichsetzt, ist das kontraproduktiv und engstirnig. Viele Linke neigen leider dazu, aus Abgrenzung zu den Rechten und Reaktionären ganz automatisch und ohne weiter nachzudenken die gegenteilige Position zu beziehen. Was dabei allerdings vergessen wird ist die Analyse, warum Rechte, Kapitalisten oder religiöse Organisationen bestimmte Positionen einnehmen und was sie damit bezwecken wollen.

So sehr sich Rechte und Konservative vor der Vermehrung aller nicht-weissen Menschen und deren Ansiedlung in ihren reichen Länder fürchten, so sehr erzittern sie davor dass die weisse Bevölkerung dem Vermehrungswahn nicht mehr fröhnt und kleiner wird. Das „christliche Abendland“ könnte durch Zuzug aus anderen Weltgegenden seiner „angestammten Leitkultur“ beraubt werden. Nebbich. Ich fand die sogenannte österreichische Leitkultur mit ihrem Schnitzelfressen, ihrer grauenhaften Musik, ihren Pfaffen, ihren reaktionären, speziezistischen Bauern, und ihren reichen, tierquälerischen Jagdgesellschaften immer schon zum Kotzen. Sie ekeln mich an, diese widerlichen Säcke, die schon am Vormittag besoffen bei den Würstelständen herumhängen, zuhause ihre Frauen schlagen und auf den Strich schicken, aber total stolz drauf sind, Österreicher zu sein. Von mir aus kann die sogenannte weisse Rasse gerne verschwinden. Hautfarben sind reine Äusserlichkeiten und somit wurscht.

Okay, ich bin misanthropisch. Aber das ist angesichts der Tatsache, dass es sowas wie KZs gegeben hat, ja wohl berechtigt und normal. Heute gibt es noch immer KZs, nur heissen sie anders. Den Namen der chinesischen KZs habe ich vergessen, bei uns werden sie Massentierhaltung genannt. Der Mensch tut seiner Mitwelt und den eigenen Artgenossen unvorstellbare Dinge an. Ich schliesse daraus dass die Spezies Homo sapiens einfach schlecht ist und habe kein Problem damit wenn die Menschheit ausstirbt. Was mir aber weh tut ist dass unzählige andere Arten in diesem Fall auch untergehen werden. Das Artensterben ist jetzt bereits im Gange, die Klimakatastrophe ebenfalls.

Die Natur hat nicht weniger Daseinsberechtigung als der Mensch. Die Mär von der „Krone der Schöpfung“ ist religiös verbrämte chauvinistische Kacke. Leider hängen viele Linke ihr ebenfalls an, indem sie den Menschen für die wichtigste Spezies auf der Welt halten. Es gibt sogar linke Theorien die den nicht-menschlichen Lebewesen das Bewusstsein absprechen. Viele Religionen tun das ebenso, sie gestehen nur dem Menschen eine Seele zu. Wenn es um die Natur geht dann sind viele Linke um keinen Scheiss besser als die Religiösen.

Vor einiger Zeit wurde mir von einem sich selber für progressiv und umweltfreundlich haltenden Typen vorgeworfen, ich wolle alle Menschen umbringen, weil ich für eine Gesundschrumpfung des menschlichen Systems bin. Na gehts noch du blödes Arschloch?! Schon mal was vom problemlosen Zugang zu reproduktiver Gesundheitsversorgung und sexuellen Rechten für alle Frauen gehört? Frauen wollen Verhütungsmittel und sichere Abtreibungen, um ihre Kinderzahl selbst zu bestimmen. Sie wollen sich ihren Partner selbst aussuchen und nicht (schon als als Kinder) zwangsverheiratet werden. Und sie wollen nicht genitalverstümmelt und vergewaltigt werden. Wie frauenfeindlich muss man sein, um den Missbrauch von Frauen als Gebärmaschinen menschenfreundlich zu finden?! Frauenrechte sind bekanntlich Menschenrechte; und nebenbei bemerkt fordern die Aktivist/inn/en der armen Länder den Zugang zu reproduktiver Gesundheitsversorgung und sexuellen Rechten ebenfalls ein.

Natürlich reicht zur Rettung der Welt nicht nur eine Verringerung der globalen Bevölkerung aus, es müssen auch das kapitalistische Patriarchat abgeschafft und die Konzerne zerschlagen werden. Ein neues, gerechtes, geschlechterdemokratisches Wirtschafts- und Gesellschaftssystem wird aber bei weiterer menschlicher Vermehrung nicht umsetzbar sein. Die Profite von Grosskonzernen werden erst durch Massengesellschaften ermöglicht, Massengesellschaften wiederum benötigen die Versorgung durch Industrien. Die Voraussetzung für die Entstehung der bedürftigen Massen ist die patriarchale Knechtung der Frauen. Frauen können im Patriarchat nicht entscheiden, mit wem sie eine Beziehung eingehen und wann sie wie viele Kinder gebären wollen. Es gibt noch immer keinen selbstverständlichen Zugang zu Verhütungsmitteln bzw. noch immer die Weigerung von Männern, Kondome zu verwenden. Frauen werden oft schon als Kinder zwangsverheiratet und müssen als Sexobjekte und Gebärmaschinen für Männer herhalten, die ihre Grossväter sein könnten. Und sie werden ebenfalls oft schon als Kinder genitalverstümmelt oder vergewaltigt. Und man glaube ja nicht, dass es sowas in der sogenannten Ersten Welt nicht gibt.

Leider existiert in den Köpfen der linken Chauvie-Macker noch immer die Idee vom grossen, bösen Hauptwiderspruch und vom kleinen, unwichtigen Nebenwiderspruch. Diese besagt, dass Frauenunterdrückung und Naturzerstörung automatisch aufhören, wenn es keinen Kapitalismus mehr gibt. Zu deutsch: Die Weiber sind scheissegal, und das Vieh- und Grünzeug sowieso.

Es besteht ein Zusammenhang zwischen Wohlstand und Bildung einerseits und der Kinderzahl andererseits. Je höher die Bildung und je grösser der Wohlstand in einem Land sind, also desto mehr Möglichkeiten die Frauen haben, desto weniger Kinder gibt es. Während im deutschsprachigen Europa durchschnittlich 1,4 Kinder pro Frau zur Welt kommen werden in Afrika durchschnittlich 6 Kinder pro Frau geboren. Viele Linke sind nun der Meinung, dass die Weltbevölkerung von alleine schrumpfen wird, wenn alle Menschen Zugang zu Wohlstand und Bildung haben. Dazu muss jedoch erst der Kapitalismus abgeschafft und durch ein gerechtes Versorgungssystem ersetzt werden, sonst werden die armen Länder weiter durch Ausbeutung arm gemacht und es tut sich nichts mit Wohlstand und Bildung. Wenn wir darauf warten bis wir ein gutes Leben für alle erreicht haben werden wir wahrscheinlich einige Jahrhunderte warten müssen und so viel Zeit haben wir nicht mehr. (Falls hier irgendwer an eine Revolution glaubt: Durch Revolutionen ändern sich nur die Drecksäcke, die Ausbeutung und Unterdrückung bleibt gleich.)

Von Seiten der Grünen kommt oft das Argument, dass es zur Lösung der globalen ökologischen Probleme genügt, den ökologischen Fussabdruck der reichen Länder wesentlich zu reduzieren. Prinzipiell stimme ich zu dass der verkleinert gehört. Das Lebensmotto „Hauptsache Lenkwaffe unterm Arsch, Schnitzel auf dem Teller und eigenes Fertigteilhaus“ wird es nicht mehr lange spielen, die Ressourcen werden knapp. Aber auch in armen Ländern zerstören die Menschen die Umwelt, beispielsweise indem sie aus dem Bedürfnis nach Brennmaterial die Wälder schlägern oder neue Ackerflächen durch Brandrhodung gewinnen. Das heizt die Erderwärmung an, denn die Wälder binden CO2. Wald zieht zudem das Grundwasser an und sorgt für Regen. Werden die Bäume abgeholzt verwüstet das Land.

Zu viele Menschen ruinieren unseren Planeten. Global wird jede Sekunde über ein Quadratmeter Erde zubetoniert, in Österreich täglich die Fläche eines Bauernhofes. (https://www.bodenlos-arbeitslos.at) Man kann den Erdball aber nicht aufblasen. (Auf perverse elitäre Problemlösungs-Phantasien wie die von Kolonien im Weltall gehe ich hier bewusst nicht ein.) Diese Entwicklung als Gefahr zu sehen hat nichts mit Rechtslastiggkeit zu tun.

Menschen brauchen zum Leben Atemluft, Trinkwasser und Nahrung. Um diese Dinge zu erzeugen ist ein Mindestmass an unberührter Natur und an fruchtbarem Land nötig. Durch das Anwachsen der Bevölkerung wird immer mehr fruchtbares Land versiegelt und Natur zerstört. (Trauriges Beispiel: Die Stadt Wien.) Die landwirtschaftlichen Flächen müssen dann neu geschaffen werden. Das passiert durch die Rhodung von Wäldern, die Sauerstoff produzieren und den Regen anziehen, und die Trockenlegung von Mooren, die CO2 binden. Wenn dem nicht Einhalt geboten wird gibt es irgendwann zu wenig Fläche für die Produktion von Sauerstoff und Nahrung und die Bereitstellung von Süsswasser. Die Weltmeere sind jetzt schon überfischt und verdreckt.

Nicht nur der Mensch hat das Recht auf unserer Erde zu leben, sondern auch die Wildtiere. Doch diese werden durch die Menschen und ihre Nutztiere verdrängt, viele Arten sind bereits ausgestorben. Das ist schlicht und einfach ethisch nicht vertretbar. Das Aussterben einer Spezies ist mit Leid für die betreffenden Lebewesen verbunden. Ein Eisbär beispielsweise kann vor der vom Menschen verursachten Klimakatastrophe nicht flüchten und muss verhungern.

Jean Ziegler meint, dass mit der momentanen landwirtschaftlichen Produktion 12 Milliarden Menschen gut ernährt werden könnten wenn Verteilungsgerechtigkeit herrschen und nicht 50% der Lebensmittel weggeworfen würden. Ich kann mir das durchaus vorstellen, eine perfekte globale Logistik vorausgesetzt. Aber was passiert mit dem Dreck, den die 12 Milliarden Menschen machen? Und wohin sollen dann die anderen Spezies, wenn sich der Homo sapiens dermassen ausbreitet? Und was ist das für ein Leben, wo man keinen Zugang mehr zur Natur hat und einer auf dem anderen pickt?

Die diversen Massnahmen zum Umweltschutz und zur Armutsbekämpfung sind richtig, wichtig und notwendig. Aber wenn sie nicht mit einer Reduktion der Bevölkerung  einhergehen, werden die Verbesserungen durch die höhere Anzahl an Verbrauchern wieder aufgesogen.

Mit Reduktion der Bevölkerung ist natürlich FREIWILLIGE Geburtenkontrolle gemeint, und nicht, wie rechte Drecksäcke sich das zusammenphantasieren, gewaltsame Tode oder das Verrecken an Krankheiten. Zwangsmassnahmen zur Geburtenkontrolle sind ebenfalls abzulehnen. Sie sind nicht nur faschistisch, sondern auch erfolglos, wie man z.B. an der chinesischen Ein-Kind-Politik sieht. Die Bevölkerung Chinas ist trotz der Ein-Kind-Politik weiter angewachsen. Ausserdem wurden ein Fünftel der weiblichen Föten abgetrieben, da Mädchen in grossen Teilen Chinas nichts wert sind. Die überzähligen chinesischen Männer verschleppen jetzt die Frauen aus den Nachbarländern. Es wäre wesentlich sinnvoller gewesen, wenn China ein landesweites Programm zur Förderung von Frauen und Mädchen eingerichtet hätte. Dadurch hätte man das Einkommen, die Bildung, die Altersversorgung und insgesamt den sozialen Status der Frauen verbessern können; die Rolle von Kindern als Prestigeobjekte, Altersversorgung und Arbeitskräfte wäre weggefallen.

Freiwillige Geburtenkontrolle ist allerdings nicht so einfach. 25% der Frauen in den armen Ländern wollen verhüten, haben aber keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. Viele Männer verweigern die Verhütung, fordern aber trotzdem Sex ein, auch in der Ersten Welt. Weltweit ist Verhütung leider noch immer Frauensache. Zudem wissen viele arme Frauen garnicht, dass es soetwas wie Verhütungsmittel überhaupt gibt. Sie glauben dass es ihr Schicksal ist, ein Kind nach dem anderen zu bekommen. Frauen bringen mehr Kinder zur Welt als sie sich wünschen, nicht nur in der Dritten Welt. Ein Drittel der Weltbevölkerung sind unerwünschte Kinder.

In vielen Fällen sind Kinder, oder besser gesagt Söhne, Statussymbole, und je mehr man davon hat, desto höher ist man angesehen. Ob man diese Kinder auch adäquat versorgen und in die Schule schicken kann ist dabei zweitrangig; in vielen Köpfen wird Quantität vor Qualität gereiht wenn es um das Leben von Kindern geht.

Es wird also Zeit dass jene, welche die Welt verbessern wollen, sich für den Zugang zu reproduktiver Gesundheitsversorgung und (sexuellen) Rechte für alle Frauen engagieren. Das wird niemand aus dem rechten und konservativen Spektrum tun, denn da will man die Frauen am Boden halten. Und wir sollten es eines Tages schaffen, dass nur mehr Wunschkinder geboren werden und die globale Bevölkerung eine Gesundschrumpfung erfährt – und zwar bevor die Welt entgültig am Arsch ist.

Österreichische Gesellschaft für Familienplanung
http://oegf.at

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