Verhütung

Öko Banane!

Unlängst hörte ich eine Radiosendung bei der es um die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) ging. PrEP bedeutet, dass HIV-negative Personen Medikamente der antiretroviralen HIV-Therapie einnehmen. Ziel der Massnahme ist die Verhinderung einer HIV-Infektion beim kondomlosen Sex. In der Sendung wurde ein Vortrag von Nicholas Feustel zum Thema schwule Männer und PrEP übertragen.

Viele Menschen kritisieren die PrEP. Sie meinen dass es unnötig sei, dem Körper antiretrovirale Medikamente zuzumuten, wenn man doch unschädliche Kondome verwenden könne. Nicholas Feustel stellte sich auf den Standpunkt dass diese Kritik schwulenfeindlich sei. Wenn man von heterosexuellen Frauen verlangen würde, kondomverweigernde Kerle sexuell zu boykottieren, dann gäbe es einen Aufschrei der Entrüstung. Von schwulen Männern hingegen werde genau das erwartet.

Diese Ansicht von Feustel finde ich ausgesprochen seltsam. Nicht weil mir die Diskriminierung von Schwulen egal ist. Ich finde Homosexualität genauso normal wie Heterosexualität oder Bisexualität. Sondern weil ich es für selbstverständlich halte, dass Frauen egoistische und verantwortungslose Säcke, die bei der Kondomverwendung ein Theater machen, mit einem Tritt in den Hintern verabschieden. Ich kann mir nichteinmal in einem Albtraum vorstellen, ohne Kondom Sex zu haben. Männer haben gefälligst von selber und ohne irgendwelche feministische Erziehungsmassnahmen ein Kondom auszupacken. Wenn sie das nicht tun vergeht mir automatisch die Lust vor Ärger. Wer bin ich denn? Die Spuckschüssel vom Dienst? Die sich gefälligst zum Auskratzen zu begeben oder ein Muttertier zu werden hat damit sich die Herren der Schöpfung nicht mit unspontanen Gedanken beschäftigen müssen? Oder die für den Rest ihres Lebens Medikamente gegen HIV fressen muss? Wer das von mir erwartet dem wünsche ich dass ihm der Schwanz und die Eier abfaulen.

Aber mit dieser Einstellung bin ich wohl leider in der Minderheit. Die meisten Eltern, die ich kenne, haben keine Wunschkinder, obwohl sie sich als progressiv verstehen. Anscheinend spalten viele Menschen ihre Sexualität völlig von dem ab was sie als Normalzustand empfinden. Der Sex muss dann „spontan“ und „ungehemmt“ sein. Was letztendlich die Lustfeindlichkeit fördert weil minimalistischer Sex ohne Vorspiel absolut öd ist. Für diejenigen, die hier das biologistische Argument von „Natürlichkeit“ anbringen wollen: Bei den meisten Tierarten gibt es Balzrituale und keinen spontanen Sex.

Dass der Sex mit Kondom weniger geil sein soll als ohne ist ein gängiges Vorurteil. Dieses resultiert aus der negativen Bewertung der Verantwortung, die man(n) übernimmt, wenn man sich um die Verhütung kümmert. Ein richtiger Mann überlässt schliesslich die Drecksarbeit den Frauen und geniesst unbeschwert das Leben. Auch wenn dieser Mann sich der linken Szene zurechnet, die ja ach so antisexistisch ist. Viele Männer haben ausserdem keine Ahnung, wie sie das am besten passende Kondom für sich finden. Wenigstens dafür gibts Abhilfe, siehe
https://www.gib-aids-keine-chance.de/wissen/safer_sex/groessen_und_formen.php

Wie Kondome richtig benutzt werden und nicht stören:
http://de.wikihow.com/Kondome-benutzen
https://de.wikipedia.org/wiki/Kondom#Risiken

Unglücklicherweise gibt es sehr viele Frauen, unter ihnen auch viele Feministinnen, die durch widerliches Machogehabe und frauenfeindliches Verhalten sexuell erregt werden. Sie hassen die Drecksäcke zwar, aber lassen sich trotzdem auf sie ein. Das ist einer der Gründe warum das Patriarchat weiter bestehen kann. Wenn frau dieses Tabuthema anspricht hat sie sofort die Arschlochkarte, leider auch und gerade in linken und feministischen Kreisen.

Eine Statistik besagt, dass weltweit jährlich 80 Millionen ungewollte Kinder zur Welt kommen. Das entspricht gleichzeitig dem jährlichen (Über)Bevölkerungswachstum. Eine andere Satistik spricht davon, dass 1/3 der Weltbevölkerung unfreiwillig zur Welt gebracht wurde. Traurige Sache. Die Menschheit fliegt ins Weltall und erzeugt künstliche Organe. Aber Sexualität und Fortpflanzung trennen kann sie noch immer nicht. Und die Frauen in den armen Ländern haben noch immer keinen Zugang zu reproduktiver Gesundheit. Und sind noch immer nicht aus sich selbst heraus etwas wert, sondern nur dann, wenn sie möglichst viele Söhne als Prestigeobjekte haben. Und genitalverstümmelt sind. Kotz.

http://www.weltbevoelkerung.de

2 Gedanken zu „Verhütung“

  1. Hallo,

    ich verstehe Deine Aufregung, vor allem über den Satz: „Wenn man von heterosexuellen Frauen verlangen würde, kondomverweigernde Kerle sexuell zu boykottieren, dann gäbe es einen Aufschrei der Entrüstung. Von schwulen Männern hingegen werde genau das erwartet.“ Der ist wirklich sehr blöd formuliert, weil er eigentlich sagt, dass die Person die keine Kondome nutzen möchte, mehr Rechte hat, als die die sie nutzen möchte. Trotzdem ist vieles in der Diskussion um die PrEP homophop, weil oft das Vorurteil bedient wird, schwule Männer wollten die PrEP, um „unvorsichtig und ungehemmt herumzuvögeln“.

    Aber darum geht es bei der PrEP nicht. Es ist eine weitere Methode, um Sex mit HIV-Positiven Menschen haben zu können, ohne sich dabei anzustecken. Ob sich Menschen dafür entscheiden, präventive Medikamente zu nehmen, muss dabei ihnen überlassen bleiben – genauso wie bei der Pille. Und es ist nun mal so, dass manche Menschen Sex mit Kondomen nicht so toll finden, wie ohne. Und so ist es doch schön, wenn es auch andere Mittel der Verhütung gibt.

    1. Hallo Sandra!

      Danke für den ersten Kommentar in meinem Blog, ich freu mich sehr!

      Ich teile deine Meinung. Vieles in der Diskussion um die PrEP ist homofeindlich. Alle Menschen können selbst entscheiden wie sie verhüten wollen und was sie mit ihren Körpern machen. Das geht niemand* was an ausser vielleicht die Leute mit denen sie Sex haben. Und viele heterosexuelle Männer, die schwulen Männern das „rücksichtslose Herumvögeln“ vorwerfen, tun genau das wenn sie mit Frauen Sex haben. Wobei Homosexuelle beim Sex im Gegensatz zu Heterosexuellen nur die halbe Verantwortung haben. Ein Mann kann von einem anderen Mann nicht schwanger werden, und eine Frau von einer anderen Frau auch nicht.

      Mir ist nur eben dieser eine Satz sauer aufgestossen. Weil dadurch der Eindruck entsteht dass es nicht okay ist wenn Frauen verhütungsunwillige Männer sexuell boykottieren.

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